Die Wichtigste Botschaft aller Zeiten

von Sam Carana, Übersetzung: Wolfgang Werminghausen

Original: Most Important Message Ever, 16. Juli 2019

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Eine Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß ereignet sich gerade. Lebewesen verschwinden von der Erde und eine ungezügelte Erwärmung könnte alles Leben zerstören. Bei 5 °C Erwärmung wird das meiste Leben auf der Erde verschwunden sein. Betrachtet man nur das baldige Aussterben des Menschen, so reichen wahrscheinlich 3 °C aus. Eine Studie nach der anderen zeigt, wie ernst die Bedrohung ist. Von vielen wird sie weiter ignoriert oder geleugnet, obwohl der gesamte Planet in Gefahr ist. Werfen Sie einen Blick auf folgende Punkte:

Überschreiten der 2 Grad Grenze

Die folgende Grafik zeigt zwei Trends, einen langfristigen Trend (blau) und einen kurzfristigen Trend (rot), der die Spitzen von El Niño besser einbezieht.

Sam Carana - Massenaussterben

Die Grafik bestätigt eine frühere Analyse, dass es 2019 1,85 °C (oder 3,33 °F) wärmer sein könnte als 1750.

Juni 2019 war der heißeste Juni seit Bestehen der Aufzeichnung. Er war 2,08 °C (oder 3,74 °F) wärmer als der jährliche globale Mittelwert 1980-2015, was teilweise auf saisonale Schwankungen zurückzuführen ist, wie es folgende Grafik zeigt.

Sam Carana - 2 Grad - Pariser Abkommen

Dies gibt eine Vorstellung davon, wie heiß das gesamte Jahr 2019 werden wird. Der Juli 2019 ist auf dem besten Weg, der heißeste Monat der Geschichte zu werden, und unterstreicht die Gefahr, dass eine Intensivierung des El Niño bald zu einem starken Temperaturanstieg führen könnte.

Erinnern Sie sich an die Pariser Vereinbarung von 2015, als Politiker sich verpflichteten, auf die Bedrohung durch den Klimawandel zu reagieren. Unter anderem wollte man “den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau halten”.

Die Grafik ganz oben verdeutlicht die Gefahr eines schnellen Temperaturanstiegs, bei dem die Schwelle von 2 °C (oder 3,6 °F) bald, d.h. im Jahr 2020 (der blaue Langzeittrend, basierend auf Daten von 1880-Juni 2019) oder im Jahr 2019 (der rote Trend, basierend auf Daten von 2011-Juni 2019) überschritten wird. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Temperatur nach dem Überschreiten von 2 °C nicht sinkt, sondern sich in einem steilen Anstieg in Richtung 3 °C fortsetzt.

Sam Carana - Massenaussterben - 2 Grad

Wir sind bereits bei etwa 2 °C über dem vorindustriellen Niveau

In der Grafik oben sind die NASA-Daten um 0,57 °C angepasst worden. Eine solche Anpassung ist aus einer Reihe von Gründen angebracht. Zunächst einmal verwendet die NASA den Zeitraum 1951-1980 als Ausgangs-Basis. Der größte Teil der Anpassung ist auf die Verwendung einer 1750er Basislinie zurückzuführen, die die vorindustrielle Entwicklung besser widerspiegelt.

Darüber hinaus sind Lufttemperaturen über den Ozeanen und Einbezug höherer polarer Anomalien sachgerechter, wie eine aktuelle Studie bestätigt. Sie kommt zu dem Schluss, dass fehlende Daten für einen Beitrag zur globalen Erwärmung von 0,1 °C verantwortlich sind.

Oberflächen-Luft-Temperatur oder Meeresoberflächen-Temperatur

Das Bild rechts, aus einer aktuellen Studie zeigt, wie groß der Unterschied bei der Nutzung der Oberflächen-Luft-Temperaturen (schwarze Linie), bei der Nutzung der Meeresoberflächen-Temperaturen für Ozeane (dunkelblaue Linie) und bei unvollständiger Erfassung (hellblaue Linie) ist.

Bei einem Anstieg um 3 °C werden die Menschen wahrscheinlich aussterben

Die Grafik ganz oben zeigt zwei Trends, einen langfristigen Trend in Blau und einen kurzfristigen Trend in Rot, der Variationen wie El Niño besser berücksichtigt. Der blaue Trend deutet auf einen Anstieg von 3 °C (oder 5,4 °F) bis 2026 hin, während der rote Trend zeigt, dass bei einer anhaltenden Verstärkung des El Niño bereits 2020 ein Anstieg von 3 °C eintreten könnte.

Bei einem Anstieg um 3 °C wird der Mensch wahrscheinlich aussterben, da das Habitat für den Menschen (und viele andere Arten) verschwindet. Ein solcher Anstieg wird zu einem raschen Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung rund um den Globus führen, was wiederum dazu führt, dass weniger Sonnenlicht in den Weltraum reflektiert wird. Die damit verbundenen Änderungen werden auf dieser Seite und dieser Seite näher erläutert und beinhalten, dass der Jetstream weiter aus der Form gerät, was zu extremeren Wetterereignissen wie Dürren, Hitzewellen und Feuersbrünsten führt. Änderungen des Jetstreams werden auch zu einer weiteren Verstärkung der Stürme beitragen, die große Mengen an warmem, salzigem Wasser in den Arktischen Ozean zu drücken drohen. Das führt zu einer Freisetzung von immer mehr Methan aus dem Meeresboden.

Bei einem Anstieg um 4 °C wird die Erde ein „moist-greenhouse“-Szenario entwickeln

Wenn der Temperaturanstieg weiter an Fahrt gewinnt, kann die Erwärmung die Erde zu einem unbelebten Planeten machen. Diese Gefahr wurde 2013 in einem Forum diskutiert. Es wurde gewarnt, dass die Erde bei einem Anstieg von 4 °C in ein „moist-greenhouse“-Szenario eintreten wird (moist = Wasserdampf, greenhouse = Treibhaus). Ohne dass etwas den Anstieg aufhält, wird sie schließlich die Ozonschicht und die Eiskappen zerstören, während die Ozeane in die obere Stratosphäre der Atmosphäre verdunsten und schließlich im Weltraum verschwinden würden.

Bei 5 °C Anstieg wird das meiste Leben auf der Erde ausgestorben sein

Sam Carana - Massenaussterben - Co-Extinction
[ aus einem früheren Beitrag ]

Eine Studie von Strona & Bradshaw aus dem Jahr 2018 zeigt, dass das meiste Leben auf der Erde bei einem Anstieg von 5 °C verschwinden wird (siehe Kasten rechts).

Mit zunehmender Temperatur steigt die Wahrscheinlichkeit, dass alles Leben auf der Erde aussterben wird. Denn die Erde bleibt ohne Ozonschicht, um Leben vor tödlicher UV-Strahlung zu schützen. Außerdem würde die Erde kein Wasser mehr haben, ein wesentlicher Baustein des Lebens. Bodenfeuchtigkeit, Grundwasser und Wasser in den Ozeanen würden verdunsten und schließlich im Weltraum verschwinden, wie in einem früheren Beitrag ausgeführt.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Temperatur weit über einen Anstieg von 5 °C hinaus gehen wird, wie im Folgenden erläutert.

Könnte sich die Erde wie die Venus entwickeln?

Auf den ersten Blick mag ein Szenario eines lebloses Planeten unwahrscheinlich erscheinen, da die Erde zuvor schon hohe Temperaturen hatte, aber jedes Mal wieder abkühlte. Während viele Arten durch den steilen Temperaturanstieg ausstarben, überlebten jedes Mal einige Arten die Massenaussterbeereignisse in der Vergangenheit.

Diesmal ist die Situation jedoch viel entsetzlicher als bei früheren Massenaussterbeereignissen. Und die Temperaturen könnten aus folgenden Gründen weiter steigen:

  • Hellere SonneDie Sonne ist jetzt viel heller als in der Vergangenheit;
  • Keine SequestrierungDie Geschwindigkeit des Anstiegs der Treibhausgase und des damit verbundenen Temperaturanstiegs lässt den Arten wenig oder gar keine Zeit, sich anzupassen oder den Standort zu wechseln. Sie lässt keine Zeit für die Sequestrierung von Kohlendioxid durch Pflanzen und durch Ablagerungen anderer Spezies oder für die Bildung von Methanhydraten am Meeresboden der Ozeane;
  • Keine VerwitterungDie Schnelligkeit des Anstiegs bedeutet auch, dass die (chemische) Verwitterung keine Chance hat, etwas zu bewirken. Was Verwitterung (und Vegetation) beitragen können, um den Kohlendioxidspiegel zu senken, wird durch schnelle Erwärmung in den Schatten gestellt;
  • MethanDurch den schnellen Temperaturanstieg bleibt auch wenig oder gar keine Zeit für den Abbau von Methan. Der Methangehalt wird durch Brände, durch die Zersetzung der absterbenden Vegetation und durch Freisetzungen aus dem schmelzenden terrestrischen Permafrost sowie dem Meeresboden hochschießen (siehe mehr zu Methan weiter unten).
Sam Carana - Massenaussterben - Venus

Die Methangefahr

Unser Dilemma

Das Dilemma dieser geologischen Zeit ist, dass sich Methan in Hydraten seit langem angesammelt hat, insbesondere in der Arktis. Dort gibt es in der Atmosphäre überhaupt kein oder nur wenig Hydroxyl. Außerdem sind etwa 75% des Ostsibirischen Arktischen Schelfs (ESAS) flacher als 50 m. Dies habe ich auch in diesem früheren Beitrag und diesem früheren Beitrag diskutiert.

Je mehr Methan in Wolken aus Blasen (plumes) abrupt aus dem Meeresboden aufsteigt, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass es im Wasser zersetzt wird. Das gilt insbesondere für die Arktis, wo lange unidirektionale Meeresströmungen verhindern, dass Mikroben an den Ort solcher Blasen-Wolken zurückkehren.

Sam Carana - Massenaussterben

Flache Meere (hellblaue Bereiche auf dem Bild rechts) erwärmen sich während der Sommer-Spitzen schneller, sodass Wärme bis zum Meeresboden vordringen kann.

Methan, das durch flache Gewässer steigt, gelangt ebenfalls schneller in die Atmosphäre. An anderen Orten der Welt werden die Freisetzungen von Hydraten von unterhalb des Meeresbodens weitgehend durch methanotrophe Bakterien im Wasser oxidiert. In flachen Gewässern wandert das aus dem Meeresboden freigesetzte Methan jedoch schnell durch die Wassersäule.

Sam Carana - Methan - CO2
[ aus einem früheren Beitrag ]

Große abrupte Freisetzungen verbrauchen schnell den Sauerstoff im Wasser, was es für Bakterien schwieriger macht, das Methan abzubauen.

Die Grafik rechts zeigt den beschleunigten Anstieg von Methan und den Gehalt von Methan (CH₄), Kohlendioxid (CO₂) und Lachgas (N₂O) in der Atmosphäre, die 257%, 146% bzw. 122% ihres 1750er Wertes betragen.

Hydroxylabbau verlängert die Lebensdauer von Methan

Die nebenstehende Grafik zeigt, dass der Methangehalt in der Atmosphäre im Zeitraum 2000-2007 nahezu unverändert blieb. Eine Erklärung dafür ist, dass mit der Erwärmung der Welt durch den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre die Wasserdampfmenge in der Atmosphäre entsprechend gestiegen ist (mit einer Rate von 7% für jeden Grad Celsius). Das schlug sich in einer höheren Hydroxylbildung nieder, was dazu führte, dass mehr Methan abgebaut wurde. Während die Methanemissionen weiter stiegen, blieb die Methanmenge in der Atmosphäre relativ stabil, da mehr Methan abgebaut wurde. Schließlich begann der weitere Anstieg der Methanemissionen im Jahr 2007, die Fähigkeit von Hydroxyl zur Zersetzung von Methan zu überfordern.

Die Gefahr besteht darin, dass bei schneller Freisetzung großer Mengen von Methan die Lebensdauer durch den Abbau von Hydroxyl verlängert wird. Das wiederum beschleunigt die Erwärmung weiter und führt zu weiteren Freisetzungen von Methan aus dem Meeresboden.

GWP von Methan

Sam Carana - Methan - GWP - Treibhauspotenzial

Gemessen in einem Zeitraum von einigen Jahren ist das Treibhauspotenzial (GWP – global warming potential) von Methan sehr hoch. Das Bild rechts vom IPCC AR5 zeigt, dass die aktuelle globale Freisetzung von Methan aus allen anthropogenen Quellen über einen Zeitraum von zehn Jahren alle anthropogenen Kohlendioxidemissionen als Ursache der globalen Erwärmung übersteigt. Das bedeutet, dass Methanemissionen wirksamer sind, die aktuelle globale Erwärmung zu erhöhen, als Kohlendioxidemissionen.

Die Werte für das GWP von Methan, in der rechten Grafik, werden auch in der nächsten Grafik herangezogen. Sie zeigt, dass das GWP von Methan in den ersten Jahren mehr als 150 mal höher ist, als das von Kohlendioxid.

Sam Carana - Methan - GWP - Treibhauspotenzial

Das obige Bild ist eigentlich konservativ, da selbst der IPCC höhere Werte für das GWP von Methan im 5. Report (AR5) angibt, d.h. für fossiles Methan und unter Einbeziehung von Rückkopplungen beim Klimawandel. Außerdem kommt es auch zu einer zusätzlichen Erwärmung durch das Kohlendioxid, das durch die Oxidation von Methan entsteht. Darüber hinaus haben Forschungsergebnisse aus den Jahren 2016 und 2018 ergeben, dass Methan stärker wirkt, als es der IPCC für Methan im AR5 angegeben hat. Daher erscheint es sinnvoll, 150 für einige Jahre als GWP von Methan zu verwenden.

Selbstverstärkende Rückkopplungseffekte beschleunigen die Erwärmung in der Arktis zusätzlich. Und nur einer, Methan vom Meeresboden, würde ausreichen, um eine davongaloppierende Erwärmung zu verursachen.

Sam Carana - Methan - CO2
[von einem früheren Beitrag (2014)]

In der folgenden Grafik wurde ein GWP von 150 für Methan verwendet. Demnach würden allein die vorhandenen Kohlendioxid- und Methanwerte sowie die Freisetzungen von Methan aus dem Meeresboden ausreichen, um den Tipping Point des Wolken-Feedbacks (cloud feedback) zu überschreiten. Das allein könnte die globalen Temperaturen innerhalb weniger Jahre um 8 °C anheben.

Sam Carana - Massenaussterben - Methan - clouds feedback

Wie auf dem obigen Bild und in einem früheren Beitrag beschrieben, könnte ein schneller Temperaturanstieg durch eine Kombination von Effekten wie Albedo-Veränderungen, Verlust der Abkühlung durch Sulfat und Methan aus destabilisierten Hydraten, die in Sedimenten am Meeresboden der Ozeane enthalten sind, verursacht werden.

Sam Carana - Massenaussterben - Globale Erwärmung - clouds feedback
[ von einem früheren Beitrag ]

Im folgenden Video diskutieren Professor Peter Wadhams und Stuart Scott die Bedrohung durch große Methanfreisetzungen (aufgenommen im März 2019, veröffentlicht im Juli 2019).

(deutsche Untertitel im YouTube-Video einstellen)

Die Freisetzung von Methan aus dem Meeresboden könnte bald durch starke Winde ausgelöst werden, die einen Zufluss von warmem, salzigem Wasser in den Arktischen Ozean verursachen, wie in einem früheren Beitrag beschrieben und im folgenden Video 2017 diskutiert. Wie in den obigen Grafiken gezeigt, ist Methan für einen Temperaturanstieg von bis zu 1,1 °C in wenigen Jahren verantwortlich, aber der Anstieg wird damit nicht enden. Eine 2012 veröffentlichte Studie berechnet, dass ein 1000facher Methananstieg auftreten könnte, was zu einem Anstieg von bis zu 6 °C innerhalb von 80 Jahren führen könnte, weitere Anstiege folgen.

Youtube-Video von RT America

Im Video vom Mai 2019 diskutieren Professor Guy McPherson und Thom Hartmann unsere Situation.

Die Situation ist dramatisch und erfordert umfassende und wirksame Maßnahmen, wie sie im Klimaplan beschrieben sind.

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