Methan-News von Shakhova und Semiletov

Nick Breeze hat ein außergewöhnliches Interview mit Dr. Natalia Shakhova und Dr. Igor Semiletov geführt.

Nachdem Dr. Natalia Shakhova und Dr. Igor Semiletov die Öffentlichkeit mit der Vorhersage eines 50-Gigatonnen-Methan-Ausbruchs aufgescheucht hatten, war es eine Weile still aus dieser Richtung. Nun sind sie zurück mit sehr klaren, ungeschminkten Aussagen.

Methan im arktischen Schelf

Es gibt große Methan-Mengen, die im ostsibirischen Schelf (East Siberian Arctic Shelf, ESAS) gespeichert sind.

„Shakhova und Semiletov schätzen, dass aktuell von den 2.000.000 km², die das ostsibirische Schelf umfassen, 200.000 km² (10%) zu den so bezeichneten Hotspots gehören, Gebiete, in denen weitaus größere Methanemissionen beobachtet werden, als in den Hintergrund-Bereichen.“

Shakhova: „Es geht um … führen Sie sich den Unterschied vor Augen zwischen 3 Milligramm pro Quadratmeter pro Tag [bei den Hintergrund-Bereichen] oder 3.000 Gramm pro Quadratmeter pro Tag.“

„Dr. Semiletov fügte hinzu, dass die 5 Milliarden Tonnen Methan, die aktuell in der Erdatmosphäre enthalten sind, ungefähr ein Prozent des gefrorenen Methanhydrat-Vorkommens im ostsibirischen Schelf ausmachen.“

Prost, der Champagner ist geöffnet

Die Methan-Flasche ist entkorkt. Es gibt eine Permafrost-Schicht im Meeresboden-Sediment, die das Methan, das dort seit bis zu einer Millionen Jahre vorkommt, daran hindert, freigesetzt zu werden. Das ist nun vorbei.

Shakhova: „Wir verwenden eine Analogie, die den sibirischen Schelf mit einer Champagner-Flasche vergleicht. Danach wird das in der Flasche gebildete Gas solange festgehalten wie der Korken als undurchlässiger Deckel dient. Dieser Deckel ist unterseeischer Permafrost. Zuvor war es einfach nur Permafrost [an Land], aber nachdem es überschwemmt wurde, wurde es zu unterseeischem Permafrost und diente dazu, eine ansteigende Menge von Gas an der Freisetzung ins Meer oder in die Atmosphäre darüber zu hindern. Solange der Deckel undurchlässig ist, gibt es keinen Grund zur Sorge. Aber sobald dieser Deckel seine Integrität verliert, fangen wir an, uns Sorgen zu machen.

Kein Hinterausgang

Ist erst mal die Flasche der Methan-Vorkommen im Meeresboden entkorkt, gibt es keine Möglichkeit diesen Prozess zu stoppen, der schon „tausende Jahre zuvor“ begonnen hat.

Shakhova: „Emissionen, die im Augenblick auftreten, sind das Resultat von einem kombinierten Effekt von natürlicher und anthropogener Erwärmung und sie werden zunehmen bis die Erwärmung sich wieder in Abkühlung umkehrt. Selbst nachdem es passiert ist, gibt es keinen Mechanismus, Permafrost-Auflösung im ostsibirischen Schelf zu stoppen, außer das Schelf über den Meeresspiegel zu bringen, was dazu dienen würde, die Gas-Freisetzungs-Kanäle zuzufrieren, so dass sie sich mit dem Permafrost zusammenschließen.“

„Weil der Schelf-Bereich sehr flach ist (die durchschnittliche Tiefe ist weniger als 50 Meter), wird ein Teil dieser Emissionen die Atmosphäre erreichen. Das Problem ist, dass dieser Teil ausreichen würde das Klima auf unserem Planeten drastisch zu verändern.“

Zusammenfassung

Es gibt große Mengen von Methan, die unter Schichten von Permafrost im Sediment des ostsibirischen arktischen Schelfs lagern. Der Permafrost ist dabei sich aufzulösen, die Flasche ist entkorkt. Es gibt keinen Mechanismus, diesen Prozess zu stoppen.

UND es gibt weitere Quellen von erheblichen Methan-Freisetzungen, z.B. schmelzender Permafrost an Land.

UND es gibt viele weiterer selbst-verstärkender Feedback-Kreisläufe, die zu einer exponentiellen Erwärmung unseres Planeten führen.

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1 Comment

  1. Stiller Leser

    Ein paar Fragen dazu:

    1. Hier – https://forum.arctic-sea-ice.net/index.php/topic,12.0.html – gibt es auf den letzten Seiten aktuell eine interessante Diskussion u.a. zum ESAS. Und es wird von einigen Kommentatoren darauf verwiesen, dass angeblich der allergrößte Teil des Methans, wenn es aus Tiefen mehr als 30 – 35 Metern stammt, durch Oxidation einerseits und methanvertilgende Bakterien im Wasser andererseits zerlegt wird. Ist das von Shakova/Semiletov berücksichtigt worden, bzw. sehen die das ähnlich?

    2. Sowohl bei Methanemissionen aus Permafrostgebieten an Land als auch im arktischen Ozean gibt es handfeste Beweise – siehe zb. die Ergebnisse von Katey Walter Anthony in Alaska, oder die schwedische Expedition 2017 in den arktischen Ozean – , dass es momentan gar nicht mal “altes” Methan im Boden und den Hydraten ist, was das größte Problem darstellt. Sondern das im aufgetauten Boden jede Menge Mikroben vorhanden sind, die die ebenfalls tauenden Reste von Flora und Fauna im Boden als Nahrung nutzen, und dabei ständig Methan neu produzieren. Ist das in den Aussagen zu den Emissionen aus dem ESAS bereits enthalten, oder muss das dazugerechnet werden?

    Danke schon mal für eventuelle Antworten.

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